< PreviousAIS ARBEITSMARKTINTEGRATION SOZIALARBEIT ARBEITSMARKTINTEGRATION UND SOZIALARBEIT21ARBEITSMARKTINTEGRATION SOZIALARBEIT ARBEITSMARKTINTEGRATION SOZIALARBEIT Beschäftigung – Aktivierung – Bildung - Eingliede- rung – Arbeitsvermittlung Arbeitsmarktintegration und Sozialarbeit: Enga- giert, vernetzt und zukunftsorientiert Der Fachbereich Arbeitsmarktintegration und So- zialarbeit (AiS) ist das Zentrum unserer Sozialprojek- te. Innerhalb des Fachbereichs arbeiten Anleitende, Ausbildende sowie Sozialpädagogen eng zusam- men, um gemeinsam die vielfältigen Projekte und Maßnahmen erfolgreich umzusetzen. Unsere Angebote decken ein breites Spektrum ab: von Beschäftigungsmaßnahmen zur Heranführung an den Arbeitsmarkt bis hin zu Tätigkeiten, die den Anforderungen der freien Wirtschaft nahekommen. Dabei richten wir uns an Zielgruppen wie langzeit- arbeitslose Menschen, Geflüchtete, Menschen mit psychischen oder physischen Einschränkungen, Suchtmittelabhängige, Straffällige, Jugendliche in der Berufsorientierung oder Ausbildung sowie Men- schen in geringfügigen Beschäftigungsverhältnis- sen. Ganzheitliche Unterstützung und enge Zusammen- arbeit Unsere Maßnahmen und Programme beinhalten umfassende sozialpädagogische Unterstützung, um persönliche Herausforderungen zu bewältigen, das soziale Umfeld zu stabilisieren und die individuelle Lebens- und Berufswegplanung voranzutreiben. Mit den Prinzipien des Case Managements als Grundla- ge stehen die aktive Mitgestaltung und Zielplanung durch die Klienten selbst im Mittelpunkt. Wir arbeiten eng mit dem Jobcenter, dem Jugend- amt, der Jugendgerichtshilfe, der städtischen Ar- beitsförderung, der Suchthilfe sowie weiteren Be- teiligten zusammen. Unsere Ziele sind vielfältig: von der Entwicklung grundlegender Arbeitstugenden, Tagesstrukturierung und beruflicher Orientierung bis hin zur fachlichen Qualifizierung. Hindernisse wie Schulden, prekäre Wohnsituationen, fehlende Kinderbetreuung oder Suchtproblematiken werden schrittweise abgebaut. Fachliche Qualifizierung und innovative Projekte Qualifizierungsprogramme werden in Zusammen- arbeit mit allen Arbeitsbereichen unserer beiden Sozialunternehmen durchgeführt, besonderer Schwerpunkt liegt hierbei auf Gastronomie und Einzelhandel, Tätigkeiten im Büro sowie der Bereich Facility der Grünpflege und der Außenreinigung. Die fachpraktische Qualifizierung erfolgt direkt am Arbeitsplatz durch Fachanleiter, während das Team aus Sozialpädagogen und Dozenten Schulungen zu Themen wie Gesundheit, Zeitmanagement, EDV- Nutzung und Bewerbungsstrategien anbietet. Positive Entwicklungen und neue Herausforderun- gen Im Jahr 2025 haben wir im Rahmen einer Förde- rung des Europäischen Sozialfonds eine neue Maß- nahme (TAU „Teilhabe, Aktivierung, Unterstützung“) durchgeführt, die Menschen in Abhängigkeit einen niederschwelligen Zugang zum Arbeitsleben bie- ten soll. Wir freuen uns, das seit Dezember 2025 das Projekt TAU unter neuem Namen als Projekt PULS weitergeführt werden kann. Ein Instrument, das sich total bewährt hat im Rahmen der niederschwelligen Arbeitsforderungen. Zukünftige Schwerpunkte sehen wir in den Berei- chen Teilqualifizierung, Jugendberufshilfe, berufli- che Rehabilitation sowie Inklusion. Gleichzeitig stellen uns die Kürzungen im sozialen Bereich vor erhebliche Herausforderungen. Diese betreffen nicht nur uns, sondern auch alle anderen Träger sozialer Angebote. Die unsichere Finanzie- rungslage erfordert ein verstärktes Augenmerk auf Projekte und Förderungen außerhalb der Zustän- digkeit des Jobcenters. Wir setzen uns dafür ein, al- ternative Finanzierungsquellen zu erschließen und neue Kooperationen aufzubauen, um auch weiter- hin unsere Zielgruppen umfassend unterstützen zu können. Respekt, Vernetzung und Verantwortung Unser sozialpädagogisches Selbstverständnis prägt unsere Arbeit: Wir begegnen den Klienten mit Res- pekt, Toleranz und Wertschätzung ihrer individuellen Geschichte, Herkunft und kulturellen Hintergründe. Bei Bedarf setzen wir Sprachvermittlungen ein, um AIS - ARBEITSMARKTINTEGRATION UND SOZIALARBEIT22ARBEITSMARKTINTEGRATION SOZIALARBEIT die Kommunikation zu erleichtern. Als fester Bestandteil von Trägerverbänden und durch unsere aktive Mitarbeit in Gremien und Ar- beitskreisen der Stuttgarter Netzwerke tragen wir zur Weiterentwicklung sozialer Angebote bei. Die Konzeption, Durchführung, Steuerung und Kontrolle unserer Projekte liegt in den Händen des engagier- ten Teams des Fachbereichs AIS, das sich weiterhin für innovative Lösungen und die Stabilität sozialer Maßnahmen in Stuttgart einsetzt. BUNDESFREIWILLIGENDIENST Die sbr gGmbH bietet interessierten Menschen die Möglichkeit Bundesfreiwilligendienst zu leisten. Die Dauer beträgt in der Regel ein Jahr, kann um sechs Monate verlängert werden und steht allen unab- hängig von Alter und Nationalität zur Verfügung. Ab einem Alter von über 27 Jahren ist auch Teilzeitarbeit möglich. In den Bonus-Märkten unterstützen die Freiwilligen die Marktleitung bei der fachlichen Qua- lifizierung langzeitarbeitsloser Teilnehmenden, etwa beim Beaufsichtigen einüben neuer Tätigkeiten. Auch in unserer Kreativwerkstatt ist ein Einsatz mög- lich. Dort unterstützen die Freiwilligen die Fachanlei- tenden durch Entlastung von Alltagstätigkeiten und Beaufsichtigung von Teilnehmenden. Fahrdienste sind - sofern eine Fahrerlaubnis vorhanden - eben- falls möglich. Weitere Infos unter: jobs.sbr-ggmbh.de/ FREIWILLIGES SOZIALES JAHR Im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) haben Sie die Möglichkeit, Ihr Engagement in unse- ren Sozialunternehmen zu zeigen und dabei span- nende Bereiche kennenzulernen. Nutzen Sie die Chance, praktische Erfahrungen zu sammeln und wertvolle Einblicke in die sozialen Dienstleistungen zu erhalten. Weitere Infos unter: jobs.sbr-ggmbh.de/ PENGA Perspektiven nach gemeinnütziger Arbeit Das Projekt PengA richtet sich an straffällig geworde- ÜBERGÄNGE GESTALTEN SCHULE - AUSBILDUNG - BERUF ne Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 21 Jahren und ermöglicht ihnen, gerichtlich angeordnete Arbeitsweisungen zu erfüllen. Darüber hinaus bietet PengA einen geschützten Rahmen, in dem die Klienten persönliche Entwicklung erfahren und neue Zukunftsaussichten gewinnen können. PengA richtet sich an Jugendliche, die sich oftmals in schwierigen Lebenssituationen befinden und kaum Zugang zu Beschäftigung oder Perspektiven haben. Aufgrund ihrer Delikte benötigen viele von ihnen eine intensive pädagogische Begleitung wäh- rend der Ableistung ihrer Arbeitsstunden. Das Pro- jekt verfolgt dabei das Ziel, über die reine Erfüllung der Auflagen hinauszugehen und die Jugendlichen nachhaltig an Unterstützungsangebote heranzufüh- ren sowie ihre schulischen und beruflichen Entwick- lungschancen zu stärken. Erfolge im Jahr 2025 Ein besonderes Highlight des Jahres stellte die er- folgreiche Weitervermittlung vieler Klienten in unse- re anschließenden Maßnahmen dar, insbesondere in 400+Zukunft. Dieser Weg hat sich als besonders effektiv erwiesen, um die Jugendlichen langfristig zu stabilisieren und ihnen neue Perspektiven zu er- öffnen. Die enge und engagierte Zusammenarbeit mit den Mitarbeitende der Jugendgerichtshilfe vor Ort war dabei von zentraler Bedeutung. Ihr Einsatz trug maßgeblich zum Erfolg dieser Übergänge bei, weshalb wir die Kooperation im Jahr 2026 weiter in- tensivieren werden. Vielfältige Einsatzmöglichkeiten und persönliche Entwicklung PengA stellt mit seinem professionellen Team, ein vielfältiges Unterstützungsangebot bereit, das von Coaching und Bewerbungstraining, bis hin zu hand- werklichen und arbeitsnahen Tätigkeiten reicht. Die Jugendlichen sammeln praktische Erfahrungen im Umgang mit Naturmaterialien wie Holz, in der sbr Holzwerkstatt, sowie in der Gartenarbeit und Haus- technik. Durch diese abwechslungsreichen Arbeitsfelder werden sowohl handwerkliche als auch soziale Kom- petenzen gezielt gefördert. Gleichzeitig erleben die Jugendlichen ihre eigene Wirksamkeit und entwi- ckeln eine höhere Belastbarkeit im Umgang mit He-23ARBEITSMARKTINTEGRATION SOZIALARBEIT rausforderungen. Wir schaffen mit PengA, einen wichtigen Anlauf- punkt für Jugendliche, die Struktur, Orientierung und Unterstützung brauchen. Die vielfältigen Ein- satzbereiche, mit einer intensiven, pädagogischen Betreuung und Förderung, ermöglichen ihnen, nicht nur ihre Arbeitsstunden zu leisten, sondern auch an ihrer persönlichen und beruflichen Stabilisierung zu arbeiten. Die erzielten Fortschritte im vergangenen Jahr, be- stätigen die Erfolge des Angebots. Mit Zuversicht bli- cken wir auf das Jahr 2026 und verfolgen gemeinsam mit unseren Partnern – insbesondere der Jugend- gerichtshilfe – das Ziel, die erfolgreiche Arbeit fort- zuführen und weiterzuentwickeln, um noch mehr Jugendlichen nachhaltige Perspektiven zu eröffnen. Ü 21 Durch die finanzielle Unterstützung der Arbeitsför- derung der Stadt Stuttgart besteht die Möglichkeit, für den straffällig gewordenen Personenkreis ab 21 Jahren, gerichtlich angeordnete Arbeitsstunden im Arbeitsfeld Grünpflege im Bereich Straßenbegleit- grün abzuleisten. Das Angebot verbindet mehrere zentrale Zielsetzungen: Es unterstützt die Klienten dabei, ihrer rechtlichen Verpflichtung verantwor- tungsbewusst nachzukommen, und trägt zugleich zur Erhaltung eines gepflegten sowie sicheren Stadt- bildes in Stuttgart bei. Durch einen erfahrenen Arbeitserzieher werden die Klienten angeleitet. Er weist sie in die praktischen Aufgaben ein und motiviert sie kontinuierlich an der Sache zu bleiben. Gemeinsam werden Tätigkeiten wie die Reinigung von Grünanlagen, unter anderem das Entfernen von Unkraut, kleinere Instandhaltungsarbeiten sowie die Pflege öffentlicher Grünflächen durchgeführt. Dabei erfahren die Klienten mehr Verantwortungsbewusst- sein für ihr Handeln. Sie entwickeln mehr Struktur für ihren Alltag - eine sinnstiftende Tätigkeit. Kooperation und Zugang Der Zugang zu diesem Angebot erfolgt in Koopera- tion mit PräventSozial, einer zentralen Anlaufstelle der Straffälligenhilfe in Stuttgart. Durch diese enge Zusammenarbeit wird gewährleistet, dass die Klien- ten genau die Unterstützung erhalten, die sie benö- tigen, um ihre Arbeitsstunden sinnvoll und fristge- recht zu absolvieren. Mehr als nur eine Pflicht Arbeit im Grünen ist bei uns mehr als nur Pflicht. Sie ist ein Weg zur persönlichen Weiterentwicklung. Unsere Klienten leisten einen wichtigen Beitrag für die Gemeinschaft und gewinnen dabei an Selbstver- trauen und Kompetenz. Viele erleben die Maßnah- me als Wendepunkt, der ihnen hilft, wieder Struktur in ihren Alltag zu bringen und etwas Sinnvolles zu bewirken. Dank der Förderung durch die Stadt Stuttgart kön- nen wir dieses Angebot realisieren. So fördern wir nicht nur die Attraktivität unserer Stadt, sondern be- gleiten Menschen aktiv auf ihrem Weg in eine neue berufliche Zukunft. Gefördert durch:24 PROGRAMM 400+ZUKUNFT Übergang Schule Beruf Das Programm 400+ Zukunft war auch im Jahr 2025 ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Im Rahmen der Jugendberufshilfe in Stuttgart können wir als sbr gGmbH acht Plätze zur Verfügung stellen. Wir bie- ten Hilfe für benachteiligte junge Menschen, die am Übergang von Schule und Beruf einen besonderen Unterstützungsbedarf haben. Durch umfassende sozialpädagogische Einzelfall- hilfe werden nicht nur die schulische und berufliche Entwicklung der jungen Menschen, sondern auch die nachhaltige Integration in die Arbeitswelt und ihr soziales Umfeld in den Blick genommen. Die Klienten haben die Möglichkeit in den Arbeits- bereichen Einzelhandel, Gastronomie, in der Holz- und Kreativwerkstatt sowie im Bereich Büro und Verwaltung berufliche Erfahrungen zu sammeln und einen Einblick in diese Berufsfelder zu bekommen. Durch die realistischen Arbeitsbedingungen lernen die Klienten wichtige Berufskompetenzen und er- leben gleichzeitig Selbstwirksamkeit durch das, was sie tun. Es besteht die Möglichkeit im Rahmen von 400+ Zu- kunft im zweiwöchigen Wechsel mit der Arbeit den Unterricht an der Volkshochschule in Stuttgart zu be- suchen und anschließend den Hauptschulabschluss zu erwerben. Das ist für viele eine gute Chance, die bisher aus verschiedenen Gründen keinen Schulab- schluss erhalten haben und bietet eine längerfristi- ge berufliche Perspektive. Wie auch in den Vorjah- ren haben 2025 die meisten unserer Jugendlichen den Hauptschulabschluss bestanden und konnten anschließend eine Ausbildung beginnen oder eine weiterführende Schule besuchen. Angebote wie 400+ Zukunft sind für junge Men- schen am Übergang von Schule zu Beruf von es- senzieller Bedeutung. Dies zeigt auch die stetige Überbelegung unserer Maßnahme. An dieser Stelle möchten wir allen danken, die einen so wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Benachteiligung von jun- gen Menschen abgebaut wird und dadurch zur Zu- kunftsperspektive der Einzelnen beitragen. Wir freu- en uns auf ein ebenso starkes 2026. STEP-BY-STEP Beschäftigungsangebot für junge Menschen bei Bestehenden Leistungen des Jugendamts (HzE) Für junge Menschen, die durch das Jugendamt betreut werden und deren Hilfeplan eine Berufs- orientierung vorsieht, gibt es die Möglichkeit im So- zialprojekt Step-by-Step betreut zu werden. Die Be- schäftigungshilfe nach §27 SGB VIII bietet inhaltlich dieselben Bausteine wie 400+ Zukunft und bietet damit noch mehr jungen Menschen die Möglich- keit, umfassende Unterstützung bei der schulischen und beruflichen Qualifizierung und Integration in Anspruch zu nehmen. Wie auch in 400+ Zukunft konnten im Jahr 2025 einige Klienten ihren Haupt- schulabschluss absolvieren und damit einen wich- tigen Schritt in ihre berufliche Zukunft gehen. Wir freuen uns über neue Klienten im kommenden Jahr und darauf sie für einen Teil ihres Weges begleiten zu dürfen. KOOBO Kooperative Berufsorientierung Wir freuen uns sehr, dass wir mit Beginn des Schul- jahres 2025/2026 das Programm KooBO an verschie- denen Schulen im Landkreis Stuttgart und Landkreis Böblingen durchführen dürfen. Dabei unterstützen wir Schülerinnen und Schüler bei der beruflichen Orientierung, in dem wir unsere Fähigkeiten in ver- schiedensten Arbeitsbereichen (Gastronomie, Hand- werk, Einzelhandel…) in das Programm einbringen. Über die Dauer eines gesamten Schuljahres hinweg setzen sich Schülerinnen und Schüler mit verschie- ARBEITSMARKTINTEGRATION SOZIALARBEIT25ARBEITSMARKTINTEGRATION SOZIALARBEIT denen Berufsfeldern auseinander. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit werden konkrete Produkte entwi- ckelt oder Dienstleistungen angeboten. So konnte eine Gruppe beispielsweise in einem unserer Gast- ronomiebetriebe Maultaschen herstellen, und ein Catering-Event planen. Weitere Projekte sind unter anderem die Umgestaltung eines Pausenraums, die Erneuerung des Schulgartens, oder die Produk- tion von Insektenhotels. Neben den praktischen Erfahrungen spielen auch die Förderung berufsbe- zogener Kompetenzen wie das Durchlaufen eines Bewerbungsprozesses oder die Entwicklung von So- zialkompetenzen eine wichtige Rolle. KooBO wird zu 50% durch die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit BW sowie zu 40% durch den Europäischen Sozialfonds und zu 10% durch das Land BW gefördert. SILKYPLUS Social Inclusion Labs für Kids und Youngsters Jedes Kind und jeder Jugendliche sollte die Chance auf ein Leben frei von Armut und Ausgrenzung ha- ben. Das ist nicht nur entscheidend für ihre persön- lichen Zukunftsperspektiven, sondern auch für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft, besonders in Zeiten großer Unsicherheit. Auch im Jahr 2025 wa- ren wir als Projektpartner Teil eines landesweiten Netzwerks, das sich der Prävention und Bekämp- fung von Armut bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen verschrieben hat. Das Projekt SILKYplus richtet sich an eine Zielgruppe, mit der die sbr gGmbh durch ihre Arbeit in der Straffälligenhil- fe eng verbunden ist. Über unsere Social Inclusion Labs möchten wir Lebensbedingungen verbessern, Bildung fördern und stärken das soziale Miteinan- der, um jungen Menschen Perspektiven und Gestal- tungsspielräume für ihre Zukunft zu eröffnen. In enger Vernetzung mit unseren Projekten PengA (Perspektive nach gemeinnütziger Arbeit) und 400 + Zukunft richtet sich SILKYplus gezielt an delinquent gewordene und armutsgefährdete junge Menschen. Gemeinsam mit ihnen entwickeln wir armutsver- meidende Perspektiven und Ziele. Dazu gehört die Unterstützung beim Zugang zu Grund- und Sekun- darbildung, beim Erreichen eines Schul- oder Aus- bildungsabschlusses und bei der (Re-)Integration in Regelsysteme wie Jugendhilfe, Ausbildung sowie soziale und gesundheitliche Unterstützungsange- bote. SILKYplus bietet die Möglichkeit einer offenen, freiwilligen und niederschwelligen Unterstützung. Dieser ungezwungene Rahmen stellt eine Besonder- heit in der Hilfelandschaft dar, und führt zu wirkt sich sehr positiv auf die Beziehungsgestaltung zwischen Fachkraft und Teilnehmendem aus. Auch im Jahr 2025 durften wir im Rahmen des Pro- jekts an Praxistreffen und Workshops teilnehmen, die einen wertvollen Austausch zwischen den Pro- PERSPEKTIVEN SCHAFFEN VON MENSCHEN FÜR MENSCHEN26 jektpartnern ermöglicht hat. Das bereicherte die praktische Arbeit mit den jungen Menschen enorm. Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit nahmen wir als SILKYplus am Stuttgarter Kesselfestival 2025 teil, um gesamtgesellschaftlich auf das Thema Kinder-und Jugendarmut aufmerksam zu machen. Wir freuen uns sehr, dass wir das Projektziel im Rah- men von SILKY4FUTURE im Jahr 2026 weiterverfol- gen dürfen! So bleibt ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Arbeit für starke Kinder und Jugendliche in Stuttgart erhalten. Wir blicken erwartungsvoll in die Zukunft, und freuen uns auf neue Ziele, umfangrei- che Erfahrungen und den wertvollen Austausch mit den Projektpartnern. Gemeinsam werden wir wei- ter daran arbeiten, jungen Menschen Perspektiven zu eröffnen und sie auf ihrem Weg in ein selbstbe- stimmtes Leben zu begleiten. Gefördert durch: DURANTE PLUS Assistierte Beschäftigung DurantePlus ging im Jahr 2025 in die letzte Runde. Seit 2013 konnte im Rahmen des Projektes die kos- tenfreie Begleitung des (Wieder-)Einstiegs in Arbeit bzw. Ausbildung für (langzeit-)arbeitslose Menschen angeboten werden: • Beratung der Arbeitnehmenden und Arbeitge- benden im Sinn der betrieblichen Sozialarbeit (z.B. Konfliktmediation, Mobbingberatung, Amtshilfe) • Unterstützung bei der Stabilisierung und Aus- bau des Arbeitsverhältnisses • Unterstützung bei der Lösung von persönlichen Problemen Im Jahr 2025 wurden rund 25 Klienten in der (Wie- der-)Eingliederungsphase begleitet, vom Einstieg in eine Ausbildung bis hin zur Aufnahme einer Be- schäftigung nach längerer Arbeitslosigkeit. Die Zu- sammenarbeit erfolgte auf Basis der individuellen Klientenbedürfnisse. Auf ausdrücklichen Wunsch konnten in einzelnen Fällen persönliche Betreuungs- personen oder Ansprechpersonen des Jobcenters zu den Gesprächen hinzugezogen werden. Zusätzlich konnte die Möglichkeit geboten werden gemeinsam den Austausch mit den Partnerbetrieben zu suchen. Thematisch standen die Stabilisierung der beste- henden Lebenslage sowie die Alltags- und Aufga- benbewältigung im Fokus. Bei Teilnehmenden mit ausländischer Herkunft kamen zusätzlich Fragen zum Aufenthaltsrecht und zur Berufseinmündung in Deutschland zur Sprache. Der Austausch mit anderen Praxisfachkräfte des DurantePlus Netzwerkes und die Fortbildungen zu relevanten Themen organisiert von der Werkstatt Pa- rität und der Diakonie Württemberg waren eine Be- reicherung für unsere Arbeit. ARBEITSMARKTINTEGRATION SOZIALARBEIT INTEGRATION IN ARBEITSMARKT UND GESELLSCHAFT27ARBEITSMARKTINTEGRATION SOZIALARBEIT sich an einem Tagelöhner-Prinzip: • Unbürokratischer Zugang: Die Klientenvoraus- setzungen sind bewusst gering gehalten, um Barrieren abzubauen. • Flexibilität: Arbeitszeiten und Einsatzorte sind auf die Lebensrealität der Klienten abgestimmt (z. B. Berücksichtigung von Substitutionszeiten). • Sofortige Honorierung: Die Auszahlung der Auf- wandsentschädigung erfolgt unmittelbar nach getaner Arbeit, was die Motivationsstruktur stärkt. Operative Umsetzung Die praktischen Einsätze umfassen vorwiegend Rei- nigungs- und Instandhaltungsarbeiten im öffentli- chen Raum, wie beispielsweise auf Kinderspielplät- zen oder Grünanlagen im Stuttgarter Stadtgebiet. Neben der handwerklichen Tätigkeit fördert das Pro- jekt: • Soziale Interaktion: Aufbau einer Gemeinschaft und Förderung des Verantwortungsbewusst- seins durch moderne Kommunikationstools. Strukturgebung: Vermittlung von Tagesstruktur und Steigerung des Selbstwertgefühls durch ge- sellschaftlich sichtbare Arbeit und positive Reso- nanz aus der Bevölkerung. • Weiterführende Perspektiven: Ein wöchentlicher „Bewerbertag“ bietet Unterstützung bei der Job- suche und vermittelt in weiterführende Praktika oder Arbeitsverhältnisse. Bilanz und Kennzahlen Das Projekt verzeichnete eine hohe Resonanz und einen stabilen Bedarf. Von insgesamt 63 registrierten Personen nehmen 53 Klienten regelmäßig das Ange- bot wahr. Das Projekt PULS wurde aufgrund des Er- folgs auf eine Laufzeit von zwei Jahren ausgeweitet, wobei die Anzahl der verfügbaren Beschäftigungs- plätze stetig dem hohen Bedarf angepasst wird. Das Ziel bleibt die langfristige Stabilisierung der Klienten, um sie schrittweise wieder an die Anforde- rungen des regulären Arbeitsmarktes heranzufüh- ren und ihre soziale Teilhabe nachhaltig zu sichern. Beratungsmethoden fließen jedoch dank ähnlicher Zielgruppen in die Umsetzung unserer laufenden Projekte ein. Ein Abschlusstreffen aller beteiligten Netzwerkpartner verdeutlichte die Relevanz der An- gebote von DurantePlus über die vielen Jahre hin- weg und auch in Zukunft. Die daraus resultierenden Erfahrungen behalten wir als bleibenden Wert in unserer täglichen Arbeit. Dass die Förderung für die- ses wirksame Instrument eingestellt wurde, ist ein bedauerlicher Verlust für die Unterstützung unserer Klienten. DurantePlus wurde sowohl durch den ESF – Europäi- scher Sozialfond – sowie das Land Baden-Württem- berg finanziert. Somit war die Begleitung für Arbeit- gebende, als auch für Arbeitnehmende kostenfrei. In Zusammenarbeit mit: Gefördert durch: TAU/PULS Niederschwellige Arbeitsförderung Im Jahr 2025 hat die sbr gGmbH ihre Aktivitäten im Bereich der Unterstützung für suchtmittelabhängige und substituierte Menschen erfolgreich intensiviert. Nach der erfolgreichen Pilotphase des Projekts TAU (Teilhabe, Aktivierung, Unterstützung) im Jahr 2025 wurde das Angebot nahtlos in das Nachfolgeprojekt PULS (Perspektive, Unterstützung, Lebenshilfe, Sinn) überführt. Das Projekt wird durch den Europäischen Sozialfonds sowie die Stadt Stuttgart gefördert. Zielsetzung und Methodik Das Projekt verfolgt einen dezidiert niederschwel- ligen Ansatz, um Menschen mit erheblich einge- schränkter Leistungsfähigkeit und herausfordernden Alltagsstrukturen zu erreichen. Das Modell orientiert 28ARBEITSMARKTINTEGRATION SOZIALARBEIT INTERVIEW MIT TROTTWAR ZUM SOZIALPROJEKT TAU 28 Arbeitshilfe für Suchtkranke und Substituierte Seit 35 Jahren gibt es sie schon – die sbr - Gemeinnützige Gesellschaft für Schulung und berufliche Reintegration mbH mit ihrem Sitz auf dem Gelände der alten Zuckerfabrik in Stuttgart- Münster. Untergebracht in der alten backsteinernen Fabrikantenvilla unter- stützt das Unternehmen seit 1991 be- nachteiligte Menschen und bietet ihnen unterschiedliche Modelle zur Arbeits- integration. So ist die sbr im Bereich Gastronomie mit „sbr-Locations“ im Großraum Stuttgart und Esslingen tätig und betreibt mit ihrer Tochter Bonus gGmbH in Baden-Württemberg und Bayern gemeinnützig mehrere Super- märkte. Aber auch kleinere Projekte liegen der sbr am Herzen. Von Adriane Dietrich Im Frühjahr 2025 startete eines dieser Projekte: Mit TAU (Teil- habe, Aktivierung, Unterstützung) kamen im vergangenen Jahr suchtmittelabhängige und substituierte Menschen über neun Mo- nate sehr niederschwellig an Arbeit. Zwar wurde das vom Euro- päischen Sozialfonds geförderte und durch Eigenmittel der sbr finanzierte Projekt ab Januar dieses Jahres bereits durch das Projekt PULS (Perspektive, Unterstützung, Lebenshilfe, Sinn) abgelöst, doch inhaltlich hat sich nichts geändert. Im Gegenteil: PULS soll eine Erweiterung von TAU sein, das zeigt sich schon in der Namens- gebung. Auch die Projektdauer wurde ausgeweitet auf zwei Jahre; zudem sollen mehr Beschäftigungsplätze angeboten werden: Der Bedarf sei da und sehr hoch, berichten die Projektverantwortlichen Miriam Eppler und Felix Wagner. Dieses Mal ist finanziell noch die Stadt Stuttgart mit der Arbeitsförderung an dem Projekt beteiligt. Niederschwelligkeit schafft Möglichkeiten Das Prinzip des alten wie des neuen Projekts ist simpel und gleicht einem Tagelöhnermodell: Da suchtmittelabhängige und substituier- te Menschen in ihrer Leistungsfähigkeit häufig eingeschränkt sind, werden ihnen einfache Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten – mit sofortiger Auszahlung nach getaner Arbeit. Aktuell werden städtische Anlagen gesäubert: eine Auswahl an Kinderspielplätzen im Cannstatter Raum oder Grünflächen um den Max-Eyth-See. Die Anforderungen an die Teilnehmenden sind niederschwellig gehal- ten. Denn die Klientel hat häufig einen herausfordernden Alltag zu bewältigen, da kann Zusätzliches an Regularien schnell zu viel sein. Die wichtigsten Voraussetzungen sind rasch aufgezählt: Vollendung des 18. Lebensjahrs, keine Anbindung an andere Arbeitsgelegen- heiten ähnlicher Art, Personalausweis muss vorgezeigt, Sozialver- sicherungsnummer und Steuer-ID müssen angegeben werden; wer hat, noch einen Bewilligungsbescheid vom Jobcenter. Sind diese formalen Voraussetzungen gegeben, geht der prakti- sche Teil los. Ein klassischer Arbeitstag beginnt montags bis freitags in der Zuckerfabrik, wenn Eppler und ihr Kollege den sbr-eigenen Pritschenwagen besteigen und sich auf den Weg zum Stuttgarter Leonhardsplatz machen. Dort, in unmittelbarer Nähe des Drogen- konsumraums KOMBO der Caritas Stuttgart in der Lazarettstraße 8, wird zwischen 9 und 9.30 Uhr der Wagen am Treffpunkt Taxistand abgestellt. Warum dort und zu dieser Uhrzeit? „Weil da die Menschen in der Regel ihre Substitutionsmedikamente verabreicht bekommen, und dann können sie anschließend gleich zu unserem Treffpunkt kommen, wenn sie arbeiten können und wollen“, so Wagner. Sind die Formalitäten geklärt und ist sicher festgestellt worden, dass die Bewerber·innen des Tages in der Lage sind, den Arbeits- auftrag zu erfüllen, werden sie an ihren Einsatzort gebracht. Alexej Wagner ist einer von ihnen. Der 33-Jährige wohnt sogar in Münster und kam auch schon mit dem Rad eigenständig zu seinen Einsatz- orten. Er ist einer von denen, die regelmäßig dabei sind. Ihm macht die Reinigungsarbeit auf den Spielplätzen Spaß, auch wenn er auf die Frage, warum er dieser Arbeit nachgeht, erst einmal antwortet: „Klar, wegen dem Geld.“ Aber es würde sich mit der Zeit eine Ge- Mit dem Pritschenwagen zur Arbeitsstelle29ARBEITSMARKTINTEGRATION SOZIALARBEIT 29 meinschaft bilden, da viele eben regelmäßig kommen. Und: „Die Arbeit gibt mir Energie!“ Auch eine Anerkennung für sein Tun zu bekommen, gibt ihm Antrieb: „Wenn da Leute kommen und sich be- danken, dass wir den Platz sauber machen, ist das ein gutes Gefühl“, so Alexej weiter. Er selbst sei zu dem Projekt über einen Kumpel gekommen. Überhaupt laufe viel über Mund-zu-Mund-Propaganda und Peer-to-Peer-Werbung, erzählt Wagner. Ob es auch mal zu Aus- einandersetzungen komme? „Kaum, denn draußen ist genug Platz, um sich aus dem Weg zu gehen“, schmunzelt Alexej. Aktiver werden durch Teilhabe Mittlerweile haben sich 63 Teilnehmende gemeldet, von denen 53 aktiv und regelmäßig die maximale Anzahl an Tagen und Stunden arbeiten: zweimal pro Monat jeweils drei Stunden sind rechtlich und gesetzlich möglich. „Einige sind dabei, die würden gerne öfter und mehr arbeiten; aber das ist in diesem Rahmen nicht vorgesehen“, so Wagner zu diesem Wunsch. Hier kann allerdings das erweiterte Angebot der sbr greifen; und auch projektintern geht die Unter- stützung für sucht- und ehemals suchterkrankte Menschen weiter: am Verwaltungssitz der sbr in der Zuckerfabrik wird nach Abspra- che und individueller Terminvereinbarung Unterstützung rund um Fragen zu Jobsuche, zu weiteren Zuverdienstmöglichkeiten und zur Bewerbung angeboten. Bleibt zu wünschen, dass dieses niederschwellige Teilhabeprojekt noch lange unterstützt wird. Und weil der nächste Förderantrag mit Sicherheit kommt, sammeln Eppler und Wagner weiter Daten und Lebensgeschichten, damit auch künftig noch öffentliche Gelder Menschen zugutekommen, die trotz ihrer psychischen oder phy- sischen Einschränkungen bereit sind, ihren Teil zur Verbesserung ihrer Situation zu leisten und langfristig vielleicht auch dem Arbeits- markt wieder zur Verfügung stehen könnten. Und was treibt die Projektverantwortlichen an? „Dass wir eine schöne Zeit zusammen haben und den Menschen direkt und aktiv helfen können.“ Wer bei PULS mitarbeiten möchte: montags bis freitags ist um 9.30 Uhr Abfahrt an der Stuttgarter Leon- hardskirche. Weitere Informationen zum Sozialunternehmen sbr finden Sie unter www.sbr-ggmbh.de.Next >